Warum mittelständische Unternehmen Informationssicherheit strategisch verankern
sollten
Die Digitalisierung der Lebensmittelindustrie schreitet mit hoher Geschwindigkeit voran.
Produktionsanlagen werden vernetzt, Lieferketten digital gesteuert und betriebliche Prozesse
zunehmend automatisiert. Was Effizienz und Transparenz erhöht, vergrößert zugleich die
Angriffsfläche für Cyberkriminelle.
Gerade die Milchwirtschaft hat in den vergangenen Jahren erfahren, welche Auswirkungen
erfolgreiche Cyberangriffe haben können: Produktionsstillstände, Lieferprobleme und
erhebliche wirtschaftliche Schäden sind längst keine abstrakten Risiken mehr, sondern reale
Bedrohungen für die operative Stabilität von Unternehmen.
Vor diesem Hintergrund hat die Hohenloher Molkerei eG entschieden, Informationssicherheit
nicht als reine IT-Aufgabe zu betrachten, sondern als strategisches Zukunftsthema.
Rechtzeitig handeln statt zu spät reagieren
Ein wesentlicher Auslöser für diese Entscheidung war die europäische NIS-2-Richtlinie, die
deutlich strengere Anforderungen an das Cyberrisikomanagement vieler Unternehmen stellt.
Obwohl sich die Molkerei zu Projektbeginn noch knapp unterhalb der KRITIS-Schwelle
bewegte, entschied sich das Unternehmen bewusst dafür, frühzeitig die notwendigen
organisatorischen und technischen Grundlagen zu schaffen.
Das Ziel war klar definiert: nicht erst auf regulatorischen Druck zu reagieren, sondern die
eigene Resilienz proaktiv zu stärken und die Entwicklung bewusst selbst zu gestalten – statt
sich von äußeren Anforderungen treiben zu lassen.
Genau darin liegt eine wichtige Erkenntnis für die gesamte Branche. Cyberresilienz entsteht
nicht erst dann, wenn gesetzliche Vorgaben greifen oder Sicherheitsvorfälle eintreten.
Erfolgreiche Unternehmen beginnen frühzeitig damit, kritische Prozesse zu identifizieren,
Verantwortlichkeiten festzulegen und Sicherheitsstrukturen systematisch aufzubauen.
Maßgeschneiderte Sicherheitsstrukturen für den
Mittelstand
Gemeinsam mit dem Team der TÜV TRUST IT GmbH Unternehmensgruppe TÜV
AUSTRIA entwickelte die Hohenloher Molkerei ein Sicherheitskonzept, das gezielt auf die
Unternehmensgröße und die spezifischen Anforderungen der Branche zugeschnitten ist.
Im Mittelpunkt stand der Aufbau eines strukturierten
Informationssicherheitsmanagementsystems (ISMS) sowie eines Business Continuity
Managements (BCM). Der Ansatz war dabei bewusst pragmatisch: keine überdimensionierten
Compliance-Strukturen, sondern eine wirtschaftlich angemessene Lösung, die den
tatsächlichen Risiken und Anforderungen der Organisation entspricht.
In mehreren Projektphasen wurden der bestehende Sicherheitsstatus analysiert, kritische
Geschäftsprozesse identifiziert und klare Verantwortlichkeiten für die Informationssicherheit
definiert. So entstand Schritt für Schritt eine belastbare Sicherheitsstruktur, die sowohl
zukünftigen regulatorischen Anforderungen gerecht wird als auch die operative Stabilität der
Molkerei nachhaltig stärkt.
Der Ansatz zeigt exemplarisch, worauf es im Mittelstand ankommt: Informationssicherheit
muss zur Organisation passen. Entscheidend ist nicht die größtmögliche Anzahl an
Maßnahmen, sondern ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Risiko, Aufwand und
betrieblichem Nutzen.
Klare Unterstützung aus der Unternehmensführung
Der Erfolg des Projekts basiert maßgeblich auf der klaren Unterstützung durch die
Geschäftsführung.
Für Martin Boschet ist Informationssicherheit eine strategische Entscheidung:
„Informationssicherheit ist für uns ein zentrales Zukunftsthema. Deshalb haben wir uns
bewusst dafür entschieden, rechtzeitig die richtigen Strukturen aufzubauen. Mit diesem
Projekt haben wir den richtigen Weg eingeschlagen und mit unserem Partner genau die
Unterstützung gefunden, die wir dafür brauchen.“
Die Zusammenarbeit sei geprägt von Vertrauen, Pragmatismus und einem klaren Verständnis
für die Anforderungen des Unternehmens. Auch Arnd Wollinger, Prokurist und
kaufmännischer Leiter der Hohenloher Molkerei, treibt das gemeinsame Projekt operativ
voran.
Für andere Unternehmen der Lebensmittelindustrie liefert das Projekt eine wichtige
Erkenntnis: Cyberresilienz ist keine Aufgabe der IT-Abteilung allein. Nachhaltige
Sicherheitsstrukturen entstehen nur dann, wenn Management, Fachbereiche und externe
Spezialisten gemeinsam an einem Strang ziehen.
Diese Erfahrung bestätigt auch Axel Amelung, Vertriebsleiter der TÜV TRUST IT:
„Die Zusammenarbeit mit der Hohenloher Molkerei zeigt, wie erfolgreich
Informationssicherheit umgesetzt werden kann, wenn Management, Fachbereiche und Partner
an einem Strang ziehen. Der pragmatische Ansatz des Unternehmens und die klare
strategische Entscheidung für mehr Cyberresilienz sind entscheidende Erfolgsfaktoren.“
Die Hohenloher Molkerei setzt damit bereits heute ein wichtiges Zeichen für die gesamte
Milchwirtschaft. Während viele Unternehmen noch am Anfang der Auseinandersetzung mit
Themen wie Cyberresilienz und Business Continuity stehen, wurden hier frühzeitig die
notwendigen Grundlagen geschaffen.
Die Erfahrung aus diesem Projekt zeigt deutlich: Auch mittelständische Unternehmen können
sich strukturiert und wirtschaftlich angemessen auf steigende Cyberrisiken vorbereiten.
Entscheidend ist ein Ansatz, der regulatorische Anforderungen berücksichtigt und gleichzeitig
zur Größe, Organisation und Realität des Unternehmens passt.
Die Hohenloher Molkerei hat diesen Weg rechtzeitig eingeschlagen und sendet damit ein
starkes Signal an die gesamte Branche. Denn Cyberresilienz beginnt nicht mit einer
gesetzlichen Verpflichtung, sondern mit der strategischen Entscheidung, Verantwortung
für die eigene Zukunftsfähigkeit zu übernehmen.